Diebstähle haben zurzeit Konjunktur

Bei der Kriminalstatistik 2011 fällt vor allem der starke Anstieg der Taschen- und Trickdiebstähle auf. Für Karin Keller-Sutter und Martin Killias ist die Ursache dafür klar.

Nach einem Rückgang der Trickdiebstähle um sechs Prozent im Jahr 2010 sind die registrierten Delikte in diesem Bereich im vergangenen Jahr förmlich explodiert. 41 Prozent beträgt die Zunahme der Taschen- und Trickdiebstähle im Vergleich zum Vorjahr. Wenig überrascht darüber zeigen sich Strafrechtsprofessor Martin Killias von der Universität Zürich und die St. Galler Polizeidirektorin und Ständerätin Karin Keller-Sutter.


«Diese Zahlen können nicht als Nennwert genommen werden. Es sind lediglich Trends», erklärt Keller-Sutter im Tagesgespräch von Radio DRS 1. «Die hohen Zahlen bei den Strafdelikten haben sich aber abgezeichnet, seit viele Menschen aus dem Maghreb ins Land gekommen sind», fügt sie an.

Für die «Iron Lady», wie Keller-Sutter wegen ihrer harten Linie in Asylfragen oft genannt wird, sind neben den nordafrikanischen Asylsuchenden vor allem die Banden aus dem Osten Europas der Grund für den Anstieg der Zahlen bei den Diebstählen. Einzelne Banden würden bis zu 800 Delikte verüben, bevor sie das Land wieder verliessen. Dadurch stiegen die Gesamtzahlen stark an.

«Die einfachste Lösung»

Auch Martin Killias sieht vor allem die grenzüberschreitend operierenden Täter als Grund für den starken Anstieg. Dies würden auch die Zahlen aus der Westschweiz zeigen. «Aus den Camps der Roma, die sich in der Region von Lyon und dem Elsass befinden, kommen notorisch viele Täter für Diebstähle in die Schweiz. Die Zunahme solcher Camps im grenznahen Frankreich erklärt wohl teilweise die Zunahme.»

Raub, Taschen- und Entreissdiebstahl haben nach Ansicht von Killias «zurzeit Konjunktur». Dies vor allem, «weil sie alle im öffentlichen Raum stattfinden und die Kriminellen dafür keinerlei Logistik brauchen», wie er gegenüber 20 Minuten Online erklärt. «Für die Diebe ist es die einfachste Lösung.»

Zudem würden sich den Dieben derzeit neue Möglichkeiten bieten, sagt Killias. Seit die Raucher in den Restaurants nach draussen gehen müssen, liegen viele Jacken und Mäntel samt den Wertsachen unbeaufsichtigt bei den Tischen.

Was tun?

Eine Lösung für das Problem der steigenden Diebstähle ist für Killias schwer zu finden. Am besten würde man die illegale Einwanderung stoppen, doch dies sei ein grösseres Problem.

Karin Keller-Sutter möchte den Hebel beim Strafvollzug und der Integration ansetzen, weil auch viele Straftaten von in der Schweiz lebenden Ausländern begangen würden. Keller-Sutter sieht zudem in der Zusammenarbeit der Kantonspolizeien mit den Grenzwachtkorps und untereinander noch Verbesserungsmöglichkeiten.

Dass die Zahlen bei den Straftaten gegen Leib und Leben rückläufig sind, bezeichnet die FDP-Ständerätin als gute Nachricht. Zudem hebt sie die hohe Aufklärungsrate der Polizei bei schweren Delikten wie Mord hervor. Dies sei vor allem auf neue Technologien, wie die DNA-Analyse, zurückzuführen.

http://www.20min.ch/schweiz/news/story/17086315